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18. und 19. Jahrhundert

Die neun kleinen Räume im ersten Obergeschoss - sozusagen ein Museum im Museum - zeigen vor allem Holzschnitzereien.

Von der historischen, von Zell detailliert durchdachten Inneneinrichtung ist im ersten Raum - hier führt die Treppe in das DG mit dem Sonderausstellungsbereich - seit einem Umbau 1984 nichts mehr erhalten.Die in den Vitrinenschränken zusammengestellten Holzspielwaren: Puppen, Puppenköpfe, Karussells, Kegelspiele, Faden- und Steckengaukler, Schachfiguren und vieles mehr sind aber in einer modernen Präsentation wieder in diesem Raum zusammengeführt worden.

Im zweiten Raum beginnt die weitgehend authentisch erhaltene Präsentation der ehemals sehr erfolgreichen und vielfältigen Oberammergauer Spielwarenproduktion mit zahlreichen Tieren, Wagen, Karren und Soldaten sowie einem beweglichen Modell der Eroberung der öster-reichischen Festung Scharnitz 1805 durch die Franzosen.Hier und in den folgenden Räumen kann man die Zell´sche Aufstellung noch erahnen.

Der dritte Raum ist den Rokokoarbeiten gewidmet. In den originalen Schaukästen - auf diese wurden die anderen neu anzufertigenden Vitrinen in Farbe und Stil abgestimmt - werden hauptsächlich Ta-schenuhrenständer und allegorische sowie mythologische Figuren gezeigt. Die Raumausstattung wird durch ein Modell des 1762 von Franz Xaver Schmädl geschaffenen Hochaltars, zwei Stühle und zwei Kommoden sowie einem, auf 1761 datierten Tangentenflügel komplettiert.

In der Mitte des vierten Raums ist eine Vitrine mit einem Modell des Oktoberfestzugs von 1835 anläßlich der Silberhochzeit des bayerischen Königspaars Ludwig I. und Therese aufgebaut. In den Wandvitrinen ist eine Sammlung religiöser und profaner Kleinplastiken untergebracht: Spielzeug in Form von Kutschern und Fuhrleuten, Postillionen, Jägern, Bauern, Trachtenfiguren etc.. Die drei Schaukästen an der Front- und Längsseite sind dagegen den naturbelassenen Feinschnitzereien vorbehalten. Bemerkenswert ist das wunderbar feingeschnitzte Abendmahl aber auch Szenen mit profanen Inhalten: die Jagd wurde oft zum Thema für Schnitzereien gewählt - ein schönes Beispiel dafür ist die "Kofeljagd": auf einem 42 cm hohen Bergkegel verteilen sich 15 in Oberländer Tracht gekleidete kletternde Jäger und ebenso 15 springende oder bereits erlegte Gemsen. Andere aufwändige Schnitzereien zeigen Liebespaare, Familienidyllen, Schäferszenen oder sogar einen Almabtrieb. Auch Gebrauchsgegenstände wie Briefbeschwerer, Nadeletuis, Döschen, Vasenständer und Schatullen wurden feingeschnitzt.

Der nächste Raum sollte nach Zells Intention eine Oberammergauer Verlegerstube darstellen. Die bemalten Türen, der eingebaute bemalte Wandschrank, das Stehpult, der prächtige Kachelofen - das gesamte gediegenbürgerliche, bunt bemalte und helle Interieur eines Schnitzwarenhändlers war das genaue Gegenstück zu der schlicht gehaltenen, dunklen, einfarbigen Schnitzerstube. Die Verlegerstube war ein von Zell völlig neu inszenierter und gestalteter Raum, die Möbel und Einrichtungsgegenstände wurden aus diversen Häusern zusammengekauft oder neu angefertigt.

Bei der Schnitzerstube dagegen verhält es sich anders: die Wand- und Deckenvertäfelung mit Wandbank, Türen und Kastenschrank sowie dem Kachelofen stammten tatsächlich aus dem Haus des Schnitzers Thomas Rendl (1838-1916).

Im anschließenden Raum werden in den Wandvitrinen neben gefassten religiösen Kleinplastiken Produkte, der bis 1860 in Oberammergau tätigen Wachsbossierer und die von ihnen benötigten Gußmodel gezeigt. Auch ein Sortiment von Stoffdruckmodeln ist hier ausgestellt.

Im letzten Raum des Rundgangs ist die umfangreiche Sammlung des Museums von Kruzifixen untergebracht: sowohl die Vitrinen als auch die Wände sind von in Mustern angeordneten Kruzifixen bedeckt. Von diesem letzten Raum des historischen Ensembles gelangt man wieder in den Bereich "Sammlung 20. Jahrhundert".

 

Zum Hauptbild oben: Adam und Eva von Hyazinth Reiner (1790 - 1852)
Ein Exponat ist das nur 10 Zentimeter große Adam und Eva Paar, an dem die Zeit nicht spurlos vorübergegangen ist, das dadurch aber seine Eleganz nicht verloren hat. Die kleinen Figuren, vermutlich nach einer Kupferstich-Vorlage von Dürer geschnitzt, sind aus Obstholz und zeigen einige künstlerspezifische Merkmale: eine besonders feine Durchmodellierung der Körper, die aufwändig geschnitzten Haare und die fein geschnittenen Strähnen, die Eva über die Schulter fallen. Auch die etwas zu groß geratenen Köpfe der Paares sind ein Kennzeichen, das auf Hyazinth Reiner hinweist.
  

 

 

Oberammergau Museum | Dorfstraße 8 |  82487 Oberammergau |Tel: +49 (0) 8822 / 9 41 36